LadyinBlack hat geschrieben: ↑31. Jul 2026, 08:50
Kannst du mehr zur Geschichte erzählen, Inken?
Gern. - Die Legende, dass Karl Foerster die 'Gräfin von Schwerin' aus dem Schweriner Schlossgarten mitgebracht habe, hält sich hartnäckig. Dabei ist die Herkunft dieser Sorte im Katalog der Gräflich Schwerin'schen Staudenkulturen dokumentiert: Buchner aus München-Neuhausen war der Züchter. Sein Sortiment setzte sich vorwiegend aus französischen und Pfitzer-Sorten zusammen, bevor er spätestens 1911 auch etliche eigene Züchtungen präsentierte.
.
Foerster absolvierte seine Lehre von 1889 bis 1891 im Küchengarten des Schweriner Schlossgartens, es folgten Wander- und Lehrjahre sowie Kuraufenthalte, ehe er, vom Vater nach Hause beordert, ab 1903 in Berlin-Westend seine Staudengärtnerei aufbaute. 1910/11 siedelte die Familie nach Bornim über und der Rest ist Staudengeschichte.
Mitte der 1920er-Jahre begann er gezielt mit der Phloxzüchtung und brachte um 1930 erste eigene Sorten heraus. Das waren 'Eva Foerster' und 'Wennschondennschon'. Die 'Gräfin von Schwerin' hatte er nicht im Bestand, zumindest bot er sie nie an. Auch erwähnte er sie in all seinen Schriften, Texten, Büchern nicht einmal. Null.
(Die Schwerin'schen Züchtungen aus Märkisch Wilmersdorf 'Schwerins Flagge' und 'Schwerins Blauer' kommen aber vor und sind auch in der Gartenschönheit abgebildet.)
.
Die Gräfin, anfangs als 'Gräfin Anna Schwerin', tauchte nach 1910 auf, die meisten Gärtnereien hatten sie nicht vor den 20er und 30er-Jahren im Sortiment, und auch bei Fritz von Schwerin, dem Präsidenten der Dendrologischen Vereinigung, findet man sie erst Mitte der 20er-Jahre. Er hatte in zweiter Ehe Anna Steppes (1868 - 1935) geheiratet, der die Phloxsorte gewidmet ist.
Mit Phlox 'Graf von Schwerin' gab es ein Pendant, doch die Sorte fiel der Sortimentsbereinigung 1954 anheim ("
übertroffen durch 'Sternhimmel'").
Einen Phlox 'Schwerin' hatte Heinemann in Erfurt noch 1958 im Katalog (ohne den Grafen oder die Gräfin in der DDR), und danach verliert sich jede Spur. ...
.
... Bis plötzlich im Jahr 2000 die 'Gräfin von Schwerin' im Phlox-Sonderheft der Schweizer Staudenfreunde und in einem Gartenpraxis-Artikel von Dieter Gaißmayer genannt wird. Die Sorte habe sich in Illertissen sehr gut bewährt. - Wann, wie, woher, wie lange schon?? Ich wollte immer mal fragen, habe es aber noch nicht getan.
Stichwort "Sortenmuseum"? In der Sichtungskartei findet man sie nicht. Aber sie ist ja noch da. Und wie!
Bärbel und Peter zur Linden schrieben in ihrem Katalog: "
Eine unserer Lieblingssorten!"