Das Abmoosen ist eine vegetative Vermehrungsmethode, bei der ein Ast bereits an der Mutterpflanze Wurzeln bildet. Erst nachdem genügend Wurzeln entstanden sind, wird der Ast abgeschnitten und als eigenständige Pflanze weiterkultiviert. Gerade bei Feigen (Ficus carica) gilt die Methode als besonders erfolgversprechend, da Feigen sehr wurzelfreudig sind.
Warum abmoosen?
Gegenüber Stecklingen hat das Abmoosen einige Vorteile:
- Die neue Pflanze wird während der Bewurzelung weiterhin von der Mutterpflanze versorgt.
- Auch dicke Äste oder bereits größere Kronenteile können vermehrt werden.
- Man erhält sofort größere Pflanzen.
- Die Erfolgsquote ist bei schwierigen Sorten oft höher als bei Stecklingen.
Blätter produzieren Zucker und andere Assimilate. Diese werden normalerweise über den Bast (Phloem) nach unten transportiert.
Entfernt man einen Rindenring vollständig, wird dieser Transport unterbrochen. Oberhalb der Verletzung sammeln sich Zucker, Hormone und Wachstumsstoffe an. In feuchtem Milieu entstehen dort Adventivwurzeln. Sobald genügend Wurzeln vorhanden sind, kann der Ast abgetrennt werden.
Methode 1: Ringeln (klassisches Abmoosen)
Dies ist die im langen Garten-Pur-Feigenthread am häufigsten beschriebene Variante.
Geeigneter Zeitpunkt
Am besten im Frühjahr, wenn die Rinde „saftet“ und sich leicht lösen lässt:
- April
- Mai
- eventuell noch Juni
Benötigtes Material
- scharfes Messer
- feuchtes Moos (beliebiges Gartenmoos genügt). Optimal geeignet: Sphagum-Moos, Kokosfasern. Noch gut geeignet: Perlite und Erde, Vermiculit, Steinwolle, Holzfasersubstrat.
- durchsichtige Folie oder Gefrierbeutel.
- Schnur oder Kabelbinder.
- eventuell Bewurzelungshormon (bei Feigen meist nicht nötig).
1. Ast auswählen
Geeignet sind:
- fingerdicke Jungtriebe
- stärker verholzte Äste
- sogar ältere Stämme
2. Rindenring entfernen
- Zwei ringförmige Schnitte setzen.
- Abstand etwa 2 cm oder ungefähr Astdurchmesser.
- Rinde zwischen den Schnitten vollständig entfernen.
- Wichtig: Der Bast muss komplett weg sein.
3. Moos anbringen
- Moos vorher wässern.
- Gut ausdrücken.
- Dick um die freigelegte Stelle legen.
- Durchsichtige Folie um das Moos wickeln.
- Oben und unten dicht verschließen.
- Das Moos soll dauerhaft feucht bleiben.
- Je nach Temperatur:
- erste Wurzeln oft nach 3–6 Wochen
- bei dickeren Ästen auch länger
6. Abtrennen
Sobald viele weiße Wurzeln sichtbar sind:
- Ast unterhalb der Bewurzelungsstelle abschneiden.
- Vorsichtig eintopfen.
- Gut feucht halten.
- Eventuell Blattmasse reduzieren.
Hier wird kein vollständiger Rindenring entfernt.
Stattdessen:
- Rinde anritzen,
- Kerbe oder Schrägschnitt anlegen,
- Wunde offen halten,
- Moos und Folie darüber.
Methode 3: Drahtabmoosen
Eine von Bonsaifreunden häufig verwendete Variante.
Dabei wird:
- ein Draht fest um den Ast gelegt,
- der Saftstrom teilweise eingeschnürt,
- darüber Moos und Folie angebracht.
Methode 4: Absenker (Bodenabmoosen)
Wenn ein Ast bis zum Boden reicht:
- Ast herunterbiegen.
- Teilweise eingraben.
- Mit Stein oder Draht fixieren.
- Feucht halten.
Bei Feigen wird diese Methode als sehr einfach und erfolgreich beschrieben.
Häufige Fehler
Moos trocknet aus
Der häufigste Fehler.
Die Bewurzelungsstelle muss dauerhaft feucht bleiben.
Bast nicht vollständig entfernt
Bleiben Bastreste erhalten, wächst die Stelle oft einfach wieder zu und bildet keine Wurzeln.
Zu frühes Abschneiden
Ein paar einzelne Wurzeln reichen nicht.
Besser warten, bis ein dichter Wurzelballen sichtbar ist.
Zu viel Blattmasse
Ein frisch bewurzelter Ast kann oft nicht sofort alle Blätter versorgen. Deshalb gegebenenfalls einkürzen oder zunächst unter hoher Luftfeuchtigkeit weiterkultivieren.
Besonderheiten bei Feigen
Feigen gehören zu den Gehölzen, die sich besonders gut abmoosen lassen:
- hohe Wurzelbildungsfähigkeit
- funktioniert häufig auch an älterem Holz
- sogar fruchttragende Äste können bewurzelt werden
- größere Pflanzen entstehen wesentlich schneller als aus Stecklingen.
Französisch: Marcottage. Italienisch: Margotta. Amerikanisch: air layering.
Zusammengefasst aus dem Feigentread. Erfahrungsberichte und Ergänzungen bitte hier.