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Abmoosen bei Feigen – Grundlagen, Methoden und Praxis (Gelesen 227 mal)

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Moderator: cydorian

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cydorian
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Abmoosen bei Feigen – Grundlagen, Methoden und Praxis

cydorian »

Abmoosen bei Feigen – Grundlagen, Methoden und Praxis

Das Abmoosen ist eine vegetative Vermehrungsmethode, bei der ein Ast bereits an der Mutterpflanze Wurzeln bildet. Erst nachdem genügend Wurzeln entstanden sind, wird der Ast abgeschnitten und als eigenständige Pflanze weiterkultiviert. Gerade bei Feigen (Ficus carica) gilt die Methode als besonders erfolgversprechend, da Feigen sehr wurzelfreudig sind.

Warum abmoosen?

Gegenüber Stecklingen hat das Abmoosen einige Vorteile:
  • Die neue Pflanze wird während der Bewurzelung weiterhin von der Mutterpflanze versorgt.
  • Auch dicke Äste oder bereits größere Kronenteile können vermehrt werden.
  • Man erhält sofort größere Pflanzen.
  • Die Erfolgsquote ist bei schwierigen Sorten oft höher als bei Stecklingen.
Das biologische Prinzip

Blätter produzieren Zucker und andere Assimilate. Diese werden normalerweise über den Bast (Phloem) nach unten transportiert.

Entfernt man einen Rindenring vollständig, wird dieser Transport unterbrochen. Oberhalb der Verletzung sammeln sich Zucker, Hormone und Wachstumsstoffe an. In feuchtem Milieu entstehen dort Adventivwurzeln. Sobald genügend Wurzeln vorhanden sind, kann der Ast abgetrennt werden.

Methode 1: Ringeln (klassisches Abmoosen)

Dies ist die im langen Garten-Pur-Feigenthread am häufigsten beschriebene Variante.

Geeigneter Zeitpunkt

Am besten im Frühjahr, wenn die Rinde „saftet“ und sich leicht lösen lässt:
  • April
  • Mai
  • eventuell noch Juni
Zu diesem Zeitpunkt ist die Bewurzelung meist am schnellsten.

Benötigtes Material
  • scharfes Messer
  • feuchtes Moos (beliebiges Gartenmoos genügt). Optimal geeignet: Sphagum-Moos, Kokosfasern. Noch gut geeignet: Perlite und Erde, Vermiculit, Steinwolle, Holzfasersubstrat.
  • durchsichtige Folie oder Gefrierbeutel.
  • Schnur oder Kabelbinder.
  • eventuell Bewurzelungshormon (bei Feigen meist nicht nötig).
Vorgehensweise

1. Ast auswählen

Geeignet sind:
  • fingerdicke Jungtriebe
  • stärker verholzte Äste
  • sogar ältere Stämme
Mehrere Teilnehmer berichten, dass auch älteres Holz bei Feigen funktionieren sollte.

2. Rindenring entfernen
  • Zwei ringförmige Schnitte setzen.
  • Abstand etwa 2 cm oder ungefähr Astdurchmesser.
  • Rinde zwischen den Schnitten vollständig entfernen.
  • Wichtig: Der Bast muss komplett weg sein.
Es darf nur noch das blanke Holz sichtbar sein.

3. Moos anbringen
  • Moos vorher wässern.
  • Gut ausdrücken.
  • Dick um die freigelegte Stelle legen.
4. Verpacken
  • Durchsichtige Folie um das Moos wickeln.
  • Oben und unten dicht verschließen.
  • Das Moos soll dauerhaft feucht bleiben.
5. Warten
  • Je nach Temperatur:
  • erste Wurzeln oft nach 3–6 Wochen
  • bei dickeren Ästen auch länger
Die transparente Folie ermöglicht die Kontrolle ohne Öffnen.

6. Abtrennen

Sobald viele weiße Wurzeln sichtbar sind:
  • Ast unterhalb der Bewurzelungsstelle abschneiden.
  • Vorsichtig eintopfen.
  • Gut feucht halten.
  • Eventuell Blattmasse reduzieren.
Methode 2: Wundmethode

Hier wird kein vollständiger Rindenring entfernt.

Stattdessen:
  • Rinde anritzen,
  • Kerbe oder Schrägschnitt anlegen,
  • Wunde offen halten,
  • Moos und Folie darüber.
Die Methode funktioniert ebenfalls, gilt aber oft als etwas weniger zuverlässig als das vollständige Ringeln.

Methode 3: Drahtabmoosen

Eine von Bonsaifreunden häufig verwendete Variante.
Dabei wird:
  • ein Draht fest um den Ast gelegt,
  • der Saftstrom teilweise eingeschnürt,
  • darüber Moos und Folie angebracht.
Teilweise wird der Draht zusätzlich mit Ringeln kombiniert, um ein Überwallen der Wunde zu verhindern.

Methode 4: Absenker (Bodenabmoosen)

Wenn ein Ast bis zum Boden reicht:
  • Ast herunterbiegen.
  • Teilweise eingraben.
  • Mit Stein oder Draht fixieren.
  • Feucht halten.
An der eingegrabenen Stelle entstehen Wurzeln. Danach kann der neue Trieb von der Mutterpflanze getrennt werden.
Bei Feigen wird diese Methode als sehr einfach und erfolgreich beschrieben.

Häufige Fehler

Moos trocknet aus
Der häufigste Fehler.
Die Bewurzelungsstelle muss dauerhaft feucht bleiben.

Bast nicht vollständig entfernt
Bleiben Bastreste erhalten, wächst die Stelle oft einfach wieder zu und bildet keine Wurzeln.

Zu frühes Abschneiden
Ein paar einzelne Wurzeln reichen nicht.
Besser warten, bis ein dichter Wurzelballen sichtbar ist.

Zu viel Blattmasse
Ein frisch bewurzelter Ast kann oft nicht sofort alle Blätter versorgen. Deshalb gegebenenfalls einkürzen oder zunächst unter hoher Luftfeuchtigkeit weiterkultivieren.

Besonderheiten bei Feigen

Feigen gehören zu den Gehölzen, die sich besonders gut abmoosen lassen:
  • hohe Wurzelbildungsfähigkeit
  • funktioniert häufig auch an älterem Holz
  • sogar fruchttragende Äste können bewurzelt werden
  • größere Pflanzen entstehen wesentlich schneller als aus Stecklingen.
Für Hobbygärtner ist deshalb das klassische Ringeln mit feuchtem Moos und transparenter Folie meist die einfachste und erfolgversprechendste Methode. Bei einer Feige kann man oft schon innerhalb eines Sommers aus einem Ast einen nahezu fertigen kleinen Baum machen.

Französisch: Marcottage. Italienisch: Margotta. Amerikanisch: air layering.

Zusammengefasst aus dem Feigentread. Erfahrungsberichte und Ergänzungen bitte hier.
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Daumengrün
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Re: Abmoosen bei Feigen – Grundlagen, Methoden und Praxis

Daumengrün » Antwort #1 am:

Danke für die gute Anleitung. Dann also doch wieder das Ringeln bevorzugen. Gut zu wissen.
Wäre es nicht besonders sinnvoll das Ringeln direkt unterhalb der Nodien durchzuführen?
Gruss Dg
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philipp
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Re: Abmoosen bei Feigen – Grundlagen, Methoden und Praxis

philipp » Antwort #2 am:

ein paar ergänzungen fallen mir ein:
ich weis nicht ob es "normales" moos außer als dekoware zu kaufen gibt. ich verwende sphagnum moos zum abmoosen. es ist nachwachsend, schimmelt nicht und ist gut zu handhaben(lange fäden erleichtern das umwickeln). ansonsten auch mit kokoserde dicht befüllte beutel die seitlich aufgeschnitten werden und dann um die wunde gestülpt, dann festbinden.
auch bei älteren dicken stämmen mache ich zuerst kleine abmoosungen. wenn das dann gut durchwurzelt ist und von alleine hält, kommt ein größerer improvisierter sack darüber. unten zubinden, mit topferde befüllen, oben zubinden. der durchwurzelt dann recht schnell. erst dann abtrennen.
nach dem abtrennen ist es gut die neu getopfte pflanze eine zeit lang schattig zu stellen. einkürzen muss bei entsprechend großen wurzelballen nicht unbedingt sein.
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Marianna
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Re: Abmoosen bei Feigen – Grundlagen, Methoden und Praxis

Marianna » Antwort #3 am:

Meine ersten Abmoosungen haben tatsächlich geklappt und treiben aus. Ich habe den Ast nur leicht angekratzt (Tipp von Arni) und fertige Abmoos-Kugeln mit normaler Erde (leicht vorgedüngt und etwas angefeuchtet) gefüllt und dann mit Alufolie umwickelt. Dann einige Wochen (bei der größten Hitze) drangelassen, ohne nochmal nachzufeuchten. Vor dem Eintopfen habe ich den oberen Teil kräftig zurückgeschnitten und am Anfang auch schattig gestellt.
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Re: Abmoosen bei Feigen – Grundlagen, Methoden und Praxis

Marianna » Antwort #4 am:

Daumengrün hat geschrieben: 9. Sep 2026, 07:26 Wäre es nicht besonders sinnvoll das Ringeln direkt unterhalb der Nodien durchzuführen?
Die Kugeln habe ich um Nodien herumgemacht, aber ob ich ober- oder unterhalb angekratzt habe, weiß ich nicht mehr.
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