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Beta vulgaris, Zuckerrübe und Co. (Gelesen 271 mal)

Wurzelgemüse, Knollengemüse, Blattgemüse, Stielgemüse, Fruchtgemüse, Kohlgemüse
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thuja thujon
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Beta vulgaris, Zuckerrübe und Co.

thuja thujon »

Ich habe noch keinen Strang zu Zuckerrüben gefunden, nicht mal so richtig zu rote Bete, ist eh alles fast das gleiche, deswegen eröffne ich mal einen.

Ich suche ja nach relativ niedrigen Kulturen für mein Vorbeet, die zum einen durch die Fruchtfolge gewisse Unkräuter bekämpfen und zum anderen eine gewisse Form von Wissensvermittlung oder Wertschätzung beim Passanten erzeugen. Der Publikumsverkehr ist einfach zu einladend um ihn nicht zu nutzen und die Probleme im Beet wollen auch pragmatisch gelöst werden. Gemüse ist nicht gerne gesehen, deswegen muss was anderes her. Mein Ruf ist eh ruiniert, da mache ich mir keine Sorgen.

Ich habe nun also heute Zuckerrüben im Vorbeet vom Kleingarten ausgesät. Kann man ja mal machen, so lange es noch Zuckerrüben in Deutschland gibt. Steht ja gerade auf der Kippe, aus mehreren Gründen.
Wie auch immer, heute gesät, in einen gut gesetzten Boden, Vorkultur war letztes Jahr Hartweizen, anschließend Stroh eingefräst und über Winter Feldsalat, die Reste davon inklusive Unkraut gehackt und abgeräumt.
Die Winterfeuchtigkeit ist aktuell sehr gut, durch den bisher warmen März ist obenrum der Boden soweit abgetrocknet, dass er tragfähig ist. Frostgare ist auch super. Bodenstruktur somit bestens.

Direktsaat, die echte, also ohne Grundbodenbearbeitung, warum nicht. Bietet sich geradezu an dieses Jahr.

Mit dem Rillenzieher 40cm Reihenabstand markiert, in der Reihe habe ich auf 18cm je ein Korn abgelegt. Genau die Länge vom Unkrautstecher.
Zuckerrübe Saatkorn Abstand.jpeg

Loch gemacht, Saatpille auf den gesetzten Boden gedrückt, damit sie Wasseranschluss hat, wieder sachte zugeschoben. Etwa 165 Korn, eins nach dem anderen, hoffen wir mal 150 davon laufen auf.
Zuckerrübe Saatkorn Ablage.jpeg

Perfektes Saatbett meiner Meinung nach. Kann so jetzt liegen bleiben. Heute Nacht ists noch frisch, wird Bodenfrost geben, zum quellen brauchts aber auch 12 Stunden, danach sollen die Temperaturen moderat ansteigen. Hoffen wir mal, dass da kein Saatkorn unten drin verfault.

Anschließend dürftig mit Schnur abgesperrt, dass mir da nicht wieder alle Kinder usw durchs Beet rennen. 3 Reihen a 10m sollen sich dort etablieren.

Zuckerrübe Aussaat 20260327.jpeg
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Monti
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Re: Beta vulgaris, Zuckerrübe und Co.

Monti » Antwort #1 am:

Ich bin gespannt. Hier werden Zuckerrüben nur für die Biogasanlage angebaut. Die Grenze für die Verarbeitung liegt etwa 15 bis 20 km weiter nördlich (da ists auch flacher, tiefer).
Hast du dir schon Gedanken um die Verfahrenstechnik zur Zuckergewinnung gemacht? Wäre doch zu schade, wenn die Rüben keiner Verarbeitung zugeführt würden.
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thuja thujon
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Re: Beta vulgaris, Zuckerrübe und Co.

thuja thujon » Antwort #2 am:

Hier im Gemüsebaugebiet gibts kaum Zuckerrüben (nur rote Bete), ein paar Kilometer weiter wird die Südzucker beliefert, damit wir uns einen Osterkuchen und weitere Leckereien backen können.
Die Situation ist aber schwierig. Zum einen ist Zucker politisch so gut wie tot, wird man dick davon, die Zähne fallen aus usw.
Das andere sind aber die Schilf-Glasflügelzikade mit Stolbur und SBR und keine vernünftige Strategie, um das in den Griff zu kriegen und das andere der Preis, Zuckerrohr aus Übersee ist eben billiger.
Südzucker hat hier mit den Landwirten gesprochen, Kontingente wurden reduziert. Mittel bis Langfristig wird die Zuckerrübe in Deutschland aussterben. Ist einfach nicht Konkurrenzfähig auf dem Markt.

Deswegen möchte ich sie mal ausprobieren, bevor das nicht mehr geht, weil man kaum an Saatgut rankommt.
Da reizt mich schon wie mit Cercospora usw umgegangen werden muss und das Beet kann eine Nährstoffabmagerung in tieferen Schichten mal gebrauchen.

Verarbeitung, ja da denke ich noch drüber nach. Wenn es dumm läuft könnten 300kg anfallen.
Kristallzucker machen reizt mich schon, habe schon lange nicht mehr umkristallisiert, in der (Chemie) Ausbildung war das noch normal, in der Praxis macht das heute und vor 10 Jahren kaum noch jemand. Denkbar ist auch vergären und Grillanzünder rausdestillieren. Den Rest könnte ich als Biodünger verkaufen. Ist dann zwar keine Melasse, aber die Leute schwören ja auf sowas und regional wärs auch.
So essen, wir hatten mal eine über 2 Stunden gegrillte, das war widerlich. Es soll aber Rezepte mit Rüben geben.
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Monti
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Re: Beta vulgaris, Zuckerrübe und Co.

Monti » Antwort #3 am:

Ja, dir Probleme mit dem Zuckerrübenanbau sind mir bekannt. Eigentlich traurig, dass es absehbar keine Zukunft hat. Dann wären wir auch hier abhängig von Importen. Und der Zuckerrübenanbau war ja eigentlich eine einmalige Erfolgsgeschichte.

Essen, dann doch lieber die Roten Rüben.
Und für die Viecher hatte man früher Futterrüben. Eine Mühle hatte wir noch lange in der Scheune stehen. Die Nachbarn haben bis zuletzt Futterrüben für die Rindviecher angebaut und verfüttert (vor 2000). Alles vorbei. So ist das mit dem Strukturwandel. Gestern hab ich Bohnenstangen beim andern Nachbarn gekauft. Hinten im letzten Eck waren die, Restbestände. Braucht keiner mehr. Auch in den Stangen war schon der Holzwurm drin.
Heute gehen die Zuckerrüben in die Biogasanlage. Stangenbohnen zusammen mit dem Mais ebenso. Das Gemüse kommt ja aus Afrika, Südamerika und wenn es gut geht aus Spanien und Italien.
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thuja thujon
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Re: Beta vulgaris, Zuckerrübe und Co.

thuja thujon » Antwort #4 am:

Im Speckgürtel der Stadt gibts die hinteren Ecken schon gar nicht mehr, da habe ich vor über 10 Jahren noch die letzten Krail und Wiesel gesichert, bevor die Scheune abgerissen und 3 neue Häuser drauf kamen.
Die Entwicklung halten wir nicht mehr auf.

Zurück zu den Betas. Die roten mag ich nicht, habe sie auch noch nie angebaut. Mangold mag ich auch nicht, und irgendwas in der Familienrichtung sollte es doch schon mal sein. Deshalb Zuckerrüben, für mich interessanter als die anderen.
Das soll aber nicht heißen, dass hier im Strang nicht auch über Rote Bete geschrieben werden soll. Da habe ich auch keinen speziellen Faden dazu gefunden.

Wie auch immer, Keimwasser wird bei mir langsam knapp. Ich habe überlegt ob ich gießen sollte, aber das fördert vor allem erstmal das Unkraut. Das hält sich durch den trockenen März aktuell recht bedeckt. Ich grabe wohl mal 2 Körner auf und schaue mir an, wie tief die Wurzel schon im Boden steckt. Denke die hat schon rund 10cm, bevor die Keimblätter oben rausgucken. Dann müsste ich definitiv nicht gießen. Auf 2-3 cm Tiefe sinds bestimmt noch 15% Restfeuchte, wird aber durch das warme und windige Wetter aktuell schnell weniger. Habe gestern mal nur mit der Fingerspitze gekratzt, da war noch gerade so Farbe erkennbar.
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kaliz
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Re: Beta vulgaris, Zuckerrübe und Co.

kaliz » Antwort #5 am:

Ich mag Salat, gemischt aus Zuckerrüben und Roten Rüben echt gerne und auch in Mischgemüse machen sich Zuckerrüben mitunter recht gut. Eine ganze Rübe am Grill braucht zu lange, das macht keinen Spaß, aber man kann sie in Scheiben schneiden und drauflegen, dann werden sie durch. Im Endeffekt kann man Zuckerrüben für alles verwenden wo man sonst Rote Rüben verwenden würde, sie sind nur süßer und länglich statt rund. Zuckerrüben hab ich eigentlich jedes Jahr im Anbau, auch wenn es mitunter nicht ganz leicht ist an Saatgut zu kommen. Wenn man aber grundsätzlich schon weder Rote Rüben noch Mangold mag, dann verstehe ich nicht so recht warum man dann Zuckerrüben anbaut und dann gleich in so großen Mengen.
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thuja thujon
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Re: Beta vulgaris, Zuckerrübe und Co.

thuja thujon » Antwort #6 am:

Zum einen weil sie dem Beet gut tun, ich habe sonst nicht viel was 1,5 bis 2m tief wurzelt.
Zum anderen weil sie nicht so hoch werden, deshalb keine Konkurrenz für die Tafeltrauben darstellen.
Zum nächsten, weil ichs noch nie gemacht habe.

Prinzipiell habe ich nichts gegen Zucker, vielleicht reinige ich wirklich mal welchen auf. Das andere drum rum kann immer noch als Dünger benutzt werden. Es gibt Leute die zahlen für Melasse 6€ und mehr pro Liter. Es kommt schon nichts weg. Besser als Brache.
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Frau P
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Re: Beta vulgaris, Zuckerrübe und Co.

Frau P » Antwort #7 am:

Zu Zuckerrübe habe ich nichts beizutragen, bis auf die Idee, sie nächstes Jahr (dieses ist es wohl schon zu spät, wenn wir sie säen könnten) auf die Stelle zu pflanzen, wo jetzt noch ein Weg ist.

Dann dieses Jahr der Versuch, rauszukriegen, ob Rote Bete und Rucola sich wirklich nicht vertragen. Laut Mischkultur sollte es gehen, aber die roten Beten, die neben dem Rucola wuchsen blieben radieschenklein, während die anderen normale Größe erreichten. Gleiches Beet.
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Re: Beta vulgaris, Zuckerrübe und Co.

thuja thujon » Antwort #8 am:

Frau P, wurde die Rote Bete vom Rucola beschattet? Die sind ja vergleichsweise recht Lichthungrig.

Ich habe gestern mal eine Pille aufgegraben, um das mit dem Wasserbedarf zu klären.

10 Tage nach dem säen ist die Pille aufgebrochen und der Samen hat eine 2-3mm lange Wurzelspitze geschoben (habe sie aus versehen abgebrochen, also nicht auf dem Bild sichtbar). Jetzt ist es nicht trocken, sondern noch etwas Wasser da auf der relevanten Tiefe von 2cm, man siehts an der dunkleren Bodenfarbe.
Zuckerrübe Pille 10d.jpeg


Steigende Temperaturen und trockene Luft zehren am Wasservorrat. Im März gab es keinen relevanten Niederschlag, 13mm Monatssumme waren schnell verdunstet, Bilanz der letzten 5 Wochen sind 60mm Bodenwasser verloren. Aktuell sind es pro Tag etwa 3-4mm die wegtrocknen, also von der Erdoberfläche startend fehlen und so für Pflanzenwachstum nicht mehr zur Verfügung stehen.
Die Keimwurzel der Zuckerrübe war nun nur 2-3mm, das ist in etwa das, was jeden Tag mehr an trockenem Oberboden entsteht.
Da die verfügbare Feldkapazität an Wasser eher im unteren Bereich um 30-40% ist (Bodenfarbe auf dem Bild beachten), ist mit eingeschränkter Nährstoffaufnahme und Pflanzenschäden zu rechnen.
Das zusammen mit dem Risiko, dass die Wurzelspitze wegen geringer Wuchsgeschwindigkeit (Boden ist wegen der geringen Nachttemperaturen noch recht kühl) bei gleichzeitig eher zügigem abtrocknen, den Anschluss an Wasserhaltige Bodenschichten verliert, war der ausschlaggebende Grund, warum ich gestern doch Wasser gegeben habe, um das Auflaufen abzusichern.
Also Keimung ist gut verlaufen mit den vorhandenen Bodenwasservorräten, das Auflaufen musste aber schon mit Bewässerung abgesichert werden. Frühjahrstrockenheit, wie man sie hier schon länger kennt.
Es gab etwa 8-10mm in 30 Minuten auf 4 Gaben pro Fläche verteilt, um ein zwischenzeitliches versickern zu gewährleisten und so ein verschlämmen und verkrusten der Bodenoberfläche zu verhindern. Damit es der Keimling eben auch durch die Oberfläche schafft.
Die sieht soweit noch gut und offen genug für den notwendigen Gasaustausch aus.

Zuckerrüben Oberfläche Auflaufbewässerung 20260406.jpeg

Ich habe übrigens absichtlich nicht mehr Wasser gegeben als die 10mm in der Hoffnung, dass es schnell genug abtrocknet und so die schnellkeimenden Unkräuter nicht auch bzw deswegen auflaufen. Bis nächste Woche sind keinerlei Niederschläge erwartbar, es gibt Nachts auch keinen Tau. Das sollte für die Unkrautkontrolle genutzt werden. Was so früh nicht aufläuft, wird auch nicht zur Konkurrenz und hats wenn es später keimt schwerer.

So viel erstmal zu einer Ackerbaukultur (ohne künstliche Wassergaben) in einem Gemüsebaubeet (künstliche Wassergaben sind normal).
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Frau P
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Re: Beta vulgaris, Zuckerrübe und Co.

Frau P » Antwort #9 am:

thuja thujon hat geschrieben: 7. Apr 2026, 10:18 Frau P, wurde die Rote Bete vom Rucola beschattet? Die sind ja vergleichsweise recht Lichthungrig.
Eigentlich nein. Es gab mindestens 20cm Abstand und der Rucola war nicht sehr hoch. Aber ich achte dieses Jahr explizit auf die Lichtverhältnisse, danke für den Hinweis.
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thuja thujon
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Re: Beta vulgaris, Zuckerrübe und Co.

thuja thujon » Antwort #10 am:

20cm Abstand finde ich jetzt nicht viel. Das ist eher Radieschenreihenabstand, Rote Beete wird doch schon wenigstens 30cm breit.
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