News: Problem bei der Anmeldung? Bitte Mail über das Kontaktformular ganz unten! | garten-pur unterstützen mit einer Spende oder über das Partnerprogramm!

Was tun bei fremden Honigbienen? (Gelesen 33428 mal)

Tiere beobachten, schützen und erkennen

Moderator: partisanengärtner

Antworten
Benutzeravatar
Chica
Beiträge: 6003
Registriert: 23. Aug 2010, 15:20
Kontaktdaten:

Re: Was tun bei fremden Honigbienen?

Chica » Antwort #390 am:

Jeder kann auf Studien verweisen wie er will, dass es unterschiedliche Erkenntnisse daraus gibt, haben wir ja schon festgestellt. Es gibt aber in D nicht so unzählig viele Menschen die sich fachlich tatsächlich mit Wildbienen auskennen. Dass ich auf die Menschen vertraue, die ich z. T. persönlich kenne und deren Expertise ich mir sicher bin ist doch klar. Und die fordern eben einen bewussten Umgang mit Honigbienen ein. Das ist für mich nachvollziehbar. Wenn für jemand anderen etwas anderes schlüssig ist dann nur zu :-* .
Chica hat geschrieben: 23. Jul 2025, 11:12 Wenn man dann zu seiner Website findet...
Da habe ich den Namen gefunden, Thomas ;) .
Der schönste Garten ist der, der kurz vor dem Verwildern steht.
Dr. med. Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808-1861)
Benutzeravatar
thuja thujon
Beiträge: 23831
Registriert: 28. Apr 2016, 21:50
Region: Gemüsegarten Vorderpfalz
Höhe über NHN: 90
Winterhärtezone: 8b: -9,4 °C bis -6,7 °C

Re: Was tun bei fremden Honigbienen?

thuja thujon » Antwort #391 am:

Es gibt halt auch Leute die denken mit dem Bauch. Es ist nicht jeder für Argumente empfänglich. Auch das muss man akzeptieren, so lange es keine Rolle spielt.
gesundes und krankes Gemüse in Amish-Qualität
Benutzeravatar
Chica
Beiträge: 6003
Registriert: 23. Aug 2010, 15:20
Kontaktdaten:

Re: Was tun bei fremden Honigbienen?

Chica » Antwort #392 am:

Nein tt, die wissen einfach nur mehr über Wildbienen als Du und über Insekten überhaupt :-* .
Der schönste Garten ist der, der kurz vor dem Verwildern steht.
Dr. med. Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808-1861)
Benutzeravatar
cydorian
Garten-pur Team
Beiträge: 12801
Registriert: 19. Nov 2005, 14:29
Höhe über NHN: 190
Bodenart: 30cm toniger Lehm auf Muschelkalk
Kontaktdaten:

Re: Was tun bei fremden Honigbienen?

cydorian » Antwort #393 am:

Wir können auch über die Höhe von Meriten von Personen reden und wer wen kennt. Westrichs (Dr. rer. nat., Biologe) Wildbienen-Buch hab ich im Regal stehen, der hat hier in BW viel geleistet und von Witt hab ich Vorträge gehört. Falls solche Experten expertig genug sind, die sehen das sehr gelassen.

So wie der unbegründete Überschwung nach 2007 der Garant war, Meriten und Medien für sich zu bekommen wenn man Honigbienen hochjubelt, so ist der vorhersehbare Abschwung des Trends nun Garant, ebenso Meriten und Medien zu bekommen, wenn man sich nun als Besorgnisträger zeigt, Demarkationszonen fordert und die Trommel von der anderen Seite schlägt. Mal sehen, was der nächste Trend ist. Ich weiss schon, was er nicht wird: Lebensraumzerstörung durch den Menschen hier und heute und vor der Haustür, das bleibt immer uncool und schadet ja auch dem grossen Geschäft.
Benutzeravatar
sempervirens
Beiträge: 5509
Registriert: 12. Dez 2023, 08:58
Region: Mittelgebirge
Höhe über NHN: 270
Winterhärtezone: 7b: -14,9 °C bis -12,3 °C

Re: Was tun bei fremden Honigbienen?

sempervirens » Antwort #394 am:

Gestern beobachtete ich, wie Wespen gezielt und in größerer Zahl Honigbienen töteten. Dieses massenhafte Jagdverhalten war mir bisher primär von Hornissen bekannt.
IMG_1728.jpeg
IMG_1729.jpeg
Bei den Jägern handelt es sich vermutlich um die Deutsche oder Gemeine Wespe. Ihr Verhalten lässt sich auf den Lebenszyklus im Spätsommer zurückführen: Die Völker benötigen Protein für die Aufzucht ihrer Larven, und honigbienen an blühreichen Hochsommerflächen stellen dafür eine konzentrierte Nahrungsquelle dar, während andere Beuteinsekten seltener werden.

Die Beobachtung wirft die Frage auf, ob die Jagd auf Honigbienen als „Ablenkungsfütterung“ fungieren und so den Jagddruck auf Wildbienen reduzieren könnte. Was eine indirekte Schutzfunktion der Honigbiene für die Wildbiene darstellen könnte.

Anderseits könnten sich die Prädatoren auf die leicht verfügbare Beute konzentrieren. Andererseits besteht durch das große Nahrungsangebot das Risiko der sogenannten Scheinkonkurrenz: Durch das größere Nahrungsangebot könnte es Stärkere Wespenvölker geben die langfristig den Druck auf alle Insektenpopulationen im Umfeld erhöhen, also auch auf Wildbienen.

Ich denke aber eher das Wildbienen zumindest von der Anwesenheit bei ausreichendem Nahrungsangebot profitieren. Insbesondere die Mittel bis großen , denn die kleinen sind vermutlich wegen der geringen Größe kaum interessant.
IMG_1746.jpeg
Auffällig war zudem die Beobachtung einer Biene, die ohne Abdomen noch Lebenszeichen zeigte und sich am Boden bewegte. Dieses Phänomen ist auf das dezentrale Nervensystem von Insekten zurückzuführen, bei dem die für die Motorik zuständigen Ganglien im Brustsegment liegen und auch nach schweren Verletzungen kurzzeitig weiter funktionieren können.
Benutzeravatar
Immer-grün
Beiträge: 1894
Registriert: 2. Jan 2023, 10:59

CH Aargauer Mittelland 7b/ F Sundgau 7b/ 8a

Re: Was tun bei fremden Honigbienen?

Immer-grün » Antwort #395 am:

Passt hier nur bedingt, aber fremde Honigbienen sind es.
Bienentraube in der Fichte entdeckt.
IMG_0172.jpeg
Wer Honigbienen gar nicht mag lässt so was wohl einfach sein.;) Ihre Überlebenschancen sollen eher gering sein. Habe eine hoffentlich zuständige Person angemailt, vielleicht werden sie eingesammelt.
Sekundenglück
Benutzeravatar
sempervirens
Beiträge: 5509
Registriert: 12. Dez 2023, 08:58
Region: Mittelgebirge
Höhe über NHN: 270
Winterhärtezone: 7b: -14,9 °C bis -12,3 °C

Re: Was tun bei fremden Honigbienen?

sempervirens » Antwort #396 am:

In diesem Tagesschau Beitrag( https://www.tagesschau.de/wissen/tiere/ ... n-100.html) wird die Ausgangfrage (im übergeordneten Sinne) des Threads in etwa so beantwortet:

Die Lösung: Das "Urban Bee Concept"

Zwei Forschende der Technischen Universität München (Monika Egerer und Joan Casanelles) haben ein Modell entwickelt, um ein verträgliches Miteinander zu ermöglichen. Die Kernmaßnahmen umfassen:
  • Bessere Datenerfassung: Eine systematische Erfassung (Top-Down-Ebene), wie viele Imker und Bienenvölker es in den jeweiligen Städten überhaupt gibt
  • Regulierung & Obergrenzen: Die Anzahl der Honigbienenstöcke muss je nach Stadtgebiet und verfügbarem Blüh-Angebot (ökologische Tragfähigkeit) limitiert werden.
  • Krankheitsüberwachung: Parasiten und Krankheiten, die von Honig- auf Wildbienen übertragen werden können, müssen strenger kontrolliert werden.
  • Aufklärung: Mehr Bildungsarbeit durch Vereine und Umweltinitiativen, um das Bewusstsein für die Bedürfnisse von Wildbienen zu stärken.
Benutzeravatar
Staudo
Beiträge: 36109
Registriert: 7. Jul 2007, 08:39
Wohnort: Südbrandenburg
Höhe über NHN: 84
Winterhärtezone: 7a: -17,7 °C bis -15,0 °C

Re: Was tun bei fremden Honigbienen?

Staudo » Antwort #397 am:

Wir brauchen mehr Verordnungen und Bürokratie. ;) Honigbienen sind weder heilig noch feindlich. Mehr Gärten und Blumen bringen mehr als neue Verordnungen.
„Am Ende entscheidet die Wirklichkeit.“ Robert Habeck
Benutzeravatar
sempervirens
Beiträge: 5509
Registriert: 12. Dez 2023, 08:58
Region: Mittelgebirge
Höhe über NHN: 270
Winterhärtezone: 7b: -14,9 °C bis -12,3 °C

Re: Was tun bei fremden Honigbienen?

sempervirens » Antwort #398 am:

Nur kurz zur Klarstellung: Ich mache mir das Ganze nicht eins zu eins zu eigen, wollte es aber mal als Denkanstoß in die Runde werfen. Viele der im Bee-Monitoring genannten Maßnahmen haben wir hier ja ohnehin schon diskutiert – wie das Schaffen von Habitaten und Nahrungsquellen für Wildbienen.
Entscheidend ist demnach vor allem ein größeres und vielfältigeres Blütenangebot, das beiden Arten genug Nahrung bietet. "Wir brauchen genug Lebensräume oder Nahrungsangebote für beide, Wildbienen und Honigbienen, um keine Konkurrenz zu haben", sagt die Umweltökologin.
Wichtig ist dabei, dass sich der Ansatz explizit auf den urbanen Raum bezieht und nicht auf die Fläche im Allgemeinen.

Und ja: Mehr Kontrollen sind meiner Meinung nach auch der falsche Weg. Bevor man dafür Geld verbrennt, sollte man das Budget lieber einsparen und direkt in konkrete Maßnahmen wie Flächenkauf und Flächenpflege stecken. Das wäre unterm Strich deutlich effektiver.
Benutzeravatar
cydorian
Garten-pur Team
Beiträge: 12801
Registriert: 19. Nov 2005, 14:29
Höhe über NHN: 190
Bodenart: 30cm toniger Lehm auf Muschelkalk
Kontaktdaten:

Re: Was tun bei fremden Honigbienen?

cydorian » Antwort #399 am:

Denkanstoss? Dann geb ich mal auch einen:
sempervirens hat geschrieben: 18. Mai 2026, 14:57 Die Lösung: Das "Urban Bee Concept"
Die Lösung für Bullshit-Bingo, Fördergelder und Dampfplauderei wäre wichtiger. Dieses Konzept arbeitet sich an einer Luftnummer ab. Sein Ziel hat es immerhin erreicht, die Tagesschau bringt es mit Namensnennung der "Forscher".

Die schwache Datenbasis, mit dem dieser Riesenaufwand getrieben werden soll wird damit nicht verbessert. Die Studien auf dem dieser ganze Aktionismus steht, zeigen lediglich kurzfristige Konkurrenzsituationen oder lokale Effekte unter bestimmten Bedingungen und beweisen nicht, dass Honigbienen Wildbienenpopulationen verdrängen oder dass urbane Imkerei eine relevante Ursache des Wildbienensterbens wäre.

Bewiesen sind jedoch Flächenversiegelung, sterile Grünanlagen, Lichtverschmutzung, fehlende Nistplätze, intensive Landwirtschaft im Umland und genetische Verarmung durch isolierte Populationen bedingt durch obige Faktoren.

Man fokussiert sich lieber auf Honigbienen, obwohl die Hauptursachen strukturell woanders liegen. Aber das ist halt grad Mode, fundierter wird es nicht. Das mündet in symbolischer Sündenbockpolitik. Bienenvölkerdichte will man feststellen (ein Projekt zwischen Bürokratieirrsinn und unmöglich, da hilft auch die so gern gebrauchte Sprache Donald Trumps von "Top-Down" nichts), die Stadt müsste dann die Völker begrenzen, kann aber gleichzeitig weiterhin Schotterflächen dulden, ihre monotonen Zierpflanzen setzen, alte Bäume rausmachen, Blühflächen vermeiden, bauen, bauen, bauen, denn "wir" brauchen ja so dringend Wohnraum? Wo ist da der Erfolg in Sicht?

Ökologische Tragfähigkeit ist kaum berechenbar, denn sie hängt von sehr vielen Faktoren ab und gerade urbane Räume sind sehr dynamisch. Wie sollen die Bienenobergrenzen berechnet werden? Eine Riesenformel mit Balkonpflanzendichte, Brachen, privaten Gärten, Klima- und Wettereffekte, granuliert nach Planquadrat? Auch die Krankheitsübertragung, wie hoch ist die tatsächliche Populationsrelevanz für Wildbienen? Das ist unklar. Zumal Umweltstress Krankheitsanfälligkeit stark verstärkt. Übertragungsrichtungen sind auch nicht immer eindeutig.

Auch Honigbienen sind Teil der städtischen Diversität. Viele Menschen kommen über Honigbienen erstmals mit Naturschutz in Kontakt. Das Problem ist nicht "zu viel Imkerei", sondern dass moderne Städte ökologisch arm sind. Die Lösung wäre "Mehr Lebensraum" statt "weniger Bienen", stattdessen gibts immer weniger Lebensraum und nun ist man auf die übliche Standardidee gekommen, ähnlich wie beim Steuersystem, lieber dort zu messen und zuzugreifen, wo es leicht erscheint anstatt sich dem Problem selbst zu stellen.

Eigentlich haben wir das in diesem langen Thread schon recht oft gesagt. Zeit wärs eher für ein "Konzept gegen wertlose Konzepte".
Antworten